Show don´t tell Praktische Beispiele

Zeigen, nicht erzählen. Eine alte Phrase, die einem Hobbyautor in jedem Schreibratgeber eingehämmert wird. Leider fehlen oft dazu passende Erklärungen. Ich möchte deshalb an dieser Stelle versuchen, ein wenig Licht in die Sache zu bringen.

Eine Handlung zu erzählen, sowie die Gefühle der Protagonisten, ist eine sehr einfache Angelegenheit.

„Susi schämte sich und ging in ihr Zimmer.“ „Alfred fühlte eine große Wut.“

Das ist Erzählen in Reinkultur. Oft findet man es auch als Attribute von Dialogen.

 „Das ist mir egal“, schrie Alfred wütend. „Das ist so gemein von dir!“, sagte Susi fassungslos.

Hier wird auch nur erzählt, was die Personen gerade denken, aber man zeigt es nicht. Einfach zu schreiben, aber es fehlt etwas. Dem Leser fällt es schwer, sich mit den handelnden Personen zu identifizieren. Man liest über die Gefühle der Romanfiguren, doch man fühlt sie nicht wirklich. Show don´t tell ist hingegen ein System, das genau dies erzeugen soll. Man wählt die Darstellung so, dass der Leser in die Handlung hineingezogen wird. Für mich ist das Beispiel eines Kinofilms passend. Es gibt dort keinen Erzähler im Hintergrund, welcher die Gefühle der Personen beschreibt. Man sieht sie, man zieht Rückschlüsse aus den Gesichtsausdrücken, aus der Körpersprache und den Dialogen. Die Zuschauer im Kinosaal werden hineingezogen in die Welt der Handlung durch das, was sie sehen.

Nun ist ein Blatt Papier bzw. ein Bildschirm auf dem ebook-Reader etwas anderes, ein anderes Medium. Trotzdem ist es auch hier möglich, die wesentlichen Handlungen zu zeigen und nicht auf den einfachen Weg zurückzufallen, den leider viele Autoren beschreiten, nämlich alles zu erzählen.

Was für Möglichkeiten gibt es, Szenen so umzuschreiben, dass sie etwas zeigen und nicht erzählen? Ich habe nachfolgend einige Beispiele zusammengestellt, die das Problem näher beleuchten. Es würde mich freuen, über die Kommentare zu erfahren, ob sie passen, den Unterschied korrekt darstellen.

 Beispiel 1: Erzählen

Alfred war nervös, als er Susi fragte, ob sie mit ihm ins Kino gehen wolle.

 Umgeschrieben in Zeigen (Show, don´t tell):

Alfred vergrub seine Hände in den Taschen der Jeans. Susi sollte das Zittern nicht sehen. „Ich, äh“, sagte er und schluckte. Susi sah in mit großen Augen an. „Ich möchte dich gerne ins Kino einladen. Interesse?“

 Beispiel 2 Erzählen:

Die starken Wellen schlugen gegen das Pier und bespritzen Susanne mit Wasser.

 Umgeschrieben in Zeigen:

Eine neue Welle schlug gegen das Pier, ein Zittern lief über die Holzplanken. Susanne zuckte zusammen, als die salzige Gischt ihre Augen traf.

 Beispiel 3 Erzählen:

Susanne war groß und blass. Sie trug ihr dünnes Haar zu einem langen Zopf geflochten, der am Rücken herunter hing. Sie mochte ihre langen Beine, besonders die roten Schuhe.

 Umgeschrieben in Zeigen:

Susanne setzte sich im Schneidersitz hin, wollte auf der schmalen Couch nicht so viel Platz wegnehmen. Sie wickelte spielerisch ihren Zopf wie ein Band um die Hand. Wie lange Alfred wohl noch brauchte? Gedankenversunken starrte sie auf die roten Schuhe, streckte das linke Bein nach vorne. Die dunkle Farbe bildete einen Kontrast zu ihrem Teint.

Das Hauptproblem mit Show don´t tell ist, dass es mehr Platz einnimmt. Der Autor benötigt mehr Worte. Manchmal ist dies auch ein Problem, denn es verlangsamt die Handlung. Erzählen sollte deshalb nicht generell verteufelt werden, es ist an manchen Stellen durchaus angebracht.

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Bildquelle

  • street performance: nipitphand freedigitalphotos.net

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