Glaubhafte Romanfiguren Teil 2

Auf dieser Seite stelle ich Ihnen eine weitere Methode vor, um zu überprüfen, dass die Hauptpersonen Ihres Romans eine umfangreiche Persönlichkeit besitzen. Es handelt sich um die „Karteikarte“. Sinn des Ausfüllens der Karte ist die Erstellung eines Dossiers über Ihre Figur. Je mehr sie über die Protagonisten sagen können, umso eher wissen Sie, warum und wieso er/sie auf eine bestimmte Art und Weise handeln muss/nicht anders handeln kann. Dadurch entgehen Sie der Schablonenfalle und können glaubwürdige Charaktere erschaffen.

Basisfakten der Romanfigur:

Name, Vorname, Spitzname/Alter, Geburtsort und -zeit

Gewicht/Körpergröße/Augenfarbe/Haarfarbe/Besondere körperliche Kennzeichen

Name der Eltern/Status der Eltern (lebend, tot, getrennt lebend, geschieden)/ Herkunft und Besonderheiten der Eltern/ ethnischer Hintergrund

Aktuelle Adresse/ Beschreibung des Wohnortes/ Lebt allein, mit … / Bildungsstand/ derzeit ausgeübter Beruf/ Arbeitgeber/aktuelles Einkommen/ Wichtigste letzte Tätigkeiten

Beziehungsstatus (allein/getrennt/geschieden)/Wie lange schon in diesem Status?/Wass passierte vorher?/Vorherige Beziehungen?/Wie lange anhaltend?/Warum gescheitert?/Warum ohne Beziehung?

Falls Beziehung vorhanden: Name/Alter/Geschlecht der Person (Person wird mit folgendem Spitznamen angeredet …/Person bezeichnet Hauptfigur immer als …) Nähere Angaben zur Person (Bildungsstand, Beruf, Wohnort, historischer Hintergrund, Abstammung)

Kinder vorhanden (ja/nein) Falls ja: Namen und Alter, Schulbesuch, Verhaltensmuster, Besondere Merkmale

Polizeilicher Hintergrund (ja/nein) Medizinischer Hintergrund (ja/nein) /Falls ja: Details jeweils nennen

Trifft außerhalb der Arbeit regelmäßig folgende Personen …/ist Mitglied bei Organisationen, Vereinen etc. weil …

Typische Verhaltensmuster der Romanfigur:

Bekleidung: Beispiel für typische Kleidung, Kosten, Stil /kauft gerne bei …/findet folgende Modestile gut/schlecht …

Die Personen, mit denen er/sie sich regelmäßig trifft, tragen …

Kleidet sich zuhause immer mit…/Interessiert sich nie für Mode/Kleider sehen aus wie…/Besonderheiten …

Frisur: Mag folgende Stile …/ist eher der Durchschnitt/Unsauber/ Kümmert sich nicht darum

Sprache: Gehoben/Durchschnitt/Dialekt/Slang/ Redet deutlich, nuschelt/spricht zu schnell, zu langsam

Stimmlage:  Schrill/Hoch/Tief/Melodisch/Energisch/sonstige Muster …

Verwendet gerne bestimmte Phrasen/Wörter/

Verhalten: Generell ruhiger Typus/Volatile Stimmung, Verhalten und Körpersprache wechseln schnell/Unruhig, Zappelig, Nervös/Andere …

Körperhaltung: steif/rigide/aufrecht/ändert sich je nach Stimmung/immer entspannt/hängende Schultern/gratiös und zierlich/Andere …

Gestik: verwendet kaum Gesten/Gestik kontrolliert eingesetzt/ hektisch bei bestimmten Gefühlen, Situationen/ Gestikuliert fast immer/ Gestik unbeherrscht, gedankenlos verwendet/ bevorzugte Handbewegung bei …

Angewohnheiten: Rauchen, Trinken, Drogen (ja/nein; Meinung dazu, Häufigkeit, aktuell verwendet? früher verwendet? hat Meinung geändert wegen …

Finanzen: Sorgsame Verwendung, gibt alles sofort aus, Geizig, Durchschnittliches Verhalten, Überschuldet, Geld aus kriminellen Quellen, aus Erbschaft, aus reicher Familie, aus gut bezahlter Tätigkeit

Kulturelle Angewohnheiten: Figur mag folgende Dinge (ja, nicht besonders, hasst es abgrundtief, ist absoluter Fan):

  • Sport (welche Arten?)
  • Musik (Stilrichtung?)
  • Lesen (Genre?)
  • Tanzen (Stil?)
  • Theater
  • Kinofilme
  • Ausgehen im Allgemeinen
  • Wandern
  • Restaurants
  • Shopping
  • Andere Hobbies, Tätigkeiten …

Die Personen um Ihre Romanfigur /soziale Kontakte:

Wie verhält sich Ihre Figur gegenüber: Freund, Freundin/ eigene Kinder, fremde Kinder, Kinder im allgemeinen/ Eltern / Geschwistern/ das andere Geschlecht/ Nachbarn / Unbekannten/ Personen, die erfolgreicher sind als er/ Personen, die weniger erfolgreich sind als er/ Chef, Vorgesetzten/ Untergebenen/ Wettbewerbern, Konkurrenten jeder Art/ Personen, die sich ihm herausfordernd nähern/ Personen, die ihn ärgern / Personen, die ihm helfen wollen / Personen, die ihn um Hilfe bitten

Der typische Tag Ihrer Person (wenn Sie ihn nicht gerade mit Aufgaben für Ihren Roman belästigen):

Aufstehen: (wann, wo, ist noch jemand bei ihm) / Typische Uhrzeit/ Stimmung am Morgen anders als Rest des Tages?/ Typisches Frühstück/ Verhalten während des Frühstücks

Besonderheiten beim Anziehen? Dauer? Wie kommt die Figur zur Arbeitsstätte/ Was denkt sie typischerweise über den weiteren Tag? /Meinung über Arbeit, Tag/ Wie gut arbeitet die Figur?/ wie lang ist der Arbeitstag? / Wen trifft man dort üblicherweise?/ Gibt es eine Mittagspause? Wo und mit wem wird sie verbracht, wie lange dauert sie?

Abendessen: Was wird gegessen, wer bereitet es zu? Wer ist noch anwesend? Was passiert danach? Mit wem? Was denkt die Figur über diese Aktivität? Kann die Figur nachts gut schlafen, grübelt sie über …, hat sie Albträume wegen …

Tief im Innern Ihrer Romanfigur:

Früheste Erinnerungen/ Typische Ideen für die eigene Zukunft/ Was wird als größte Bedrohung angesehen?/ Was ist das kurz- mittelfristig angestrebte Lebensziel?/ Wodurch wird es bedroht, fühlt man sich bedroht?/ Was ist für die Figur der Sinn der eigenen Existenz?/ Was denkt sie über die Welt, in der sie sich befindet?/ Wenn die Figur Einfluss hätte, was würde sie sofort ändern wollen? / Wenn die Figur plötzlich reich wäre, was würde sie tun?/ Gibt es eine Person, eine Idee, eine Sache, für welche die Figur zu sterben bereit wäre? / Warum würde sie dazu bereit sein?/ Welche Person, Idee, Sache unterstützt Ihre Figur besonders stark und warum?/

Wie würde die Romanfigur sich selbst absolut ehrlich beschreiben? Was würden die sozialen Kontakte der Person über diese ehrlich sagen?

Wie würden Sie, als Autor/Autorin Ihre Figur in 4 bis 5 Worten beschreiben? Wenn Sie die Figur persönlich treffen könnten, worüber würden Sie sich gerne mit ihr unterhalten? Gäbe es einen Grund, kein Gespräch mit der Figur zu führen? Warum nicht?

Was würde die Figur Ihnen als Schöpfer/ Schöpferin vermutlich gerne mitteilen?

Dreidimensionale Romanfiguren findet man beispielsweise in „Gestrandet in der Zeit“. Erhältlich in allen ebook-Shops in allen Formaten.

Eine aussagekräftige Rezension finden Sie unter diesem Link.

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2 Gedanken zu „Glaubhafte Romanfiguren Teil 2“

  1. Hallo,
    Welche Dinge würden Sie beachten, wenn sie den Namen des Protagonisten erfinden? Also natürlich habe ich schon oft gehört, dass man beispielsweise sehr außergwöhnliche Namen eher meiden sollte. Ich habe mal gelesen oftmals werden für den Protagonisten bewusst zweisilibe Vornamen benutzt, können Sie mir sagen weshalb? Und welche „Art“ von Namen eignen sich besonders gut – gibt es da bestimmte Anforderungen, die erfüllt werden sollten?

    1. Tja, „what´s in a name“ fragte schon Shakespeare. Es gibt nur wenige allgemeine Regeln. Die Namenswahl hängt ab vom Genre und dem Ort der Handlung. Allgemein gilt die Regel, dass Namen nicht mit dem gleichen Buchstaben beginnen sollen. Wenn ein Josef mit Johann und Jonas irgendwo herumhängt, führt das zu Verwirrung. Das gleiche gilt, wenn Namen gleich klingen: Die Freundinnen Sara, Tamara und Nora gehen ins Schwimmbad. Wieviel Silben ein Name haben soll, halte ich für weniger wichtig. Außergewöhnliche Namen meiden ist eine gute Idee, wenn z.B. der gewöhnliche Leser mit der Aussprache schon Probleme hat. Schreibt man Historische Romane, so braucht man Namen, die in die Zeit passen. Es gibt im Netz Listen über „Anglo-Saxon Names“, „Irish Names“ oder „Viking Names“. Auch hilft es, bei der Recherche über die Periode sich Namen bekannter Zeitgenossen zu notieren. Die Festlegung eines Namens sollte meiner Ansicht nach der letzte Akt bei der Erschaffung einer Figur sein und zum Charakter passen. Frank Stahl klingt z.B. heldenhafter als Frank Wimmer. Bei Jaqueline Schulze stolpert der Leser wahrscheinlich über den doppelten „Sch“-Laut. Das Beispiel passt aber gut zu einer anderen Methode der Namensfindung: Was stellt man sich unter einer Jaqueline Schulze vor? Wenn man die Augen schließt und im Geist den Namen sagt, was denkt man über ihr Aussehen, ihren Beruf, ihren Charakter? Was verrät die Namenswahl über ihre Eltern, das soziale Milieu, aus dem sie stammen? Viele der Ideen sind wahrscheinlich Vorurteile, doch genau so denken die Leser! Der Name muss zu der Rolle passen, welche die Person im Roman erfüllt. Kauft der Leser es ab, wenn der Held vorgestellt wird als: Franz-Johann Schimmelpfennig, Geheimagent? Passt nicht ein Frank Stahl, Geheimagent, besser? Welche Gedanken verbindet jemand mit dem Namen Chantal? Eher unteres soziales Milieu oder Einser-Abiturientin? Kauft ein Leser es ab, wenn eine Chantal als bedeutende Wissenschaftlerin vorgestellt wird? Wieso gibt es beispielsweise das Buch: „Schantall, tu mal die omma winken!“ Sicher, es ist ein Spiel mit Vorurteilen, aber so sind wir Menschen und Leser. Wir verbinden Namen mit Eigenschaften. Der einzige Schreibratgeber, der ein paar Seiten zur Namenswahl hat ist übrigens Nancy Kress: „Dynamic Characters“

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