Romanfiguren lebhaft beschreiben

Ein Problem, das sich einem jungen Indie-Autor stellt, ist die lebhafte Beschreibung seiner Romanfiguren. Meistens macht man es so ähnlich, wie in dem unteren Text:

Fred gehörte zu den Menschen, die vom Schicksal mit geringer Intelligenz und wenig Gefühl für ihre Umgebung ausgestattet wurden. Er achtete wenig darauf, was seine Worte oder Ansichten bei anderen anrichteten. Im Gegenzug kümmerte es ihn auch wenig, ob seine Mitmenschen seine Meinung überhaupt hören wollten. Noch weniger interessierte es ihn, welche Rückschlüsse auf seinen Charakter von den anderen dadurch gezogen wurde.

Man kann sich Fred auf diese Weise sicherlich vorstellen. Andererseits bleibt er so meiner Ansicht nach immer irgendwie auf Distanz. Man kann sich nicht direkt in ihn hineinfühlen. Mein persönlicher Ansatz, den ich auch in meinem Roman „Tränen der Zeit“ verwendete, ist deshalb die Vorstellung einer Figur durch ihre eigenen Worte. Beispielsweise so:

Fred nahm dankbar den vierten Krug Bier entgegen, den ihm der Wirt dieser kleinen und schmuddeligen Bahnhofskneipe reichte. Dann drehte er sich zu den Anwesenden um.

„Ich will euch mal etwas sagen, Leute“, knurrte er. Niemand hob den Kopf oder stoppte die Unterhaltung. Man kannte Fred, die abgerissenen Gestalten in dem Schankraum ignorierten ihn. Fred kümmerte es jedoch nicht und er sprach weiter: „Die ganzen Politiker und Unternehmer! Die nutzen uns nur aus! Man sollte sie alle in einen Sack stecken und ordentlich draufhauen. Da trifft man nie den Falschen.“

Fred wandte sich an den Wirt, der ihn nur gleichgültig ansah und trank den Krug halb aus. „Wenn ich etwas zu sagen hätte, ich wüsste, was zu tun ist!“

So kommt man der Figur schon etwas näher durch seine eigenen Worte. Als alter Fan von Fantasy-Romanen denke ich natürlich auch gleich daran, wie man so eine Figur in einen Roman einbauen könnte. Beispielsweise so:

Fred nahm dankbar den vierten Krug Bier entgegen, den ihm der Wirt dieses kleinen und schmuddeligen Wirtshauses an der Außenmauer der Festung reichte. Dann drehte er sich zu den Anwesenden um.

„Ich will euch mal etwas sagen, Leute“, knurrte er. Niemand hob den Kopf oder stoppte die Unterhaltung. Man kannte Fred, die jungen Krieger in dem Schankraum ignorierten ihn. Fred kümmerte es jedoch nicht und er sprach weiter: „Ihr habt noch nichts erlebt. Wenn die Orks aus den Bergen kommen, dann rutscht euch das Herz in die Hose! Ich kenne mich in den Bergen aus, habe früher, als ich jung war, manche Schlacht geschlagen. Deswegen sage ich euch auch: Ihr wisst nichts! Ihr seid nur lächerliche Gestalten in Rüstungen!“

Fred wandte sich an den Wirt, der ihn nur gleichgültig ansah und trank den Krug halb aus. „Wenn ich etwas zu sagen hätte, dann würde ich die ausbilden und ihre verdammte Arroganz herausprügeln!“

Man stellte sich nun vor, ein junger Held bräuchte so einen Typen als Führer in den Bergen, da er sich selbst nicht auskennt. Das wäre Stoff für eine gute Handlung.

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