Telekoms Ausstieg aus der Tolino Allianz Was folgt?

Das neue Jahr begann mit einer wichtigen Nachricht. Die Telekom steigt aus der Tolino-Allianz aus. Was bedeutet dies für den Ebook Markt? Ist der Kampf gegen den Kindle damit vorbei oder beginnt eine neue Phase?

Die Tolino-Allianz aus Telekom und großen Buchhändlern (Thalia, Hugendubel und Weltbild, Libri, Mayersche Buchhandlung, Osiander) hoffte auf eine Waffe gegen den großen Rivalen Amazon mit seinem Kindle-Lesegerät. Die deutsche Telekom war dabei ein starker Partner. Mit dem Tolino kann man beispielsweise die Telekom-Hotspots nutzen. Ebenfalls ist es mit dem Tolino möglich, aus Büchereien ebooks auszuleihen. Eine interessante Alternative für solche, die nicht regelmäßig bei einer Stadtbücherei vorbeikommen können und dann vielleicht noch erfahren, dass sie einige Zeit auf das bestellte Buch warten müssen. Diverse Büchereien bildeten zur Verbesserung der Angebotspalette Plattformen, vergrößerten damit ihre Angebotspalette an ausleihbaren ebooks.

Wieso nun der Ausstieg der Telekom?

Der Markt für ebooks in Deutschland hat ein zentrales Problem. Die Umsätze entwickelten sich anfangs stürmisch, doch die wichtige Schallmauer von 5 % des Bücherumsatzes ist nicht durchbrochen. Lagen ebooks 2011 noch bei niedrigen 0,8 % Marktanteil, erreichten sie 2013 bereits 3,9 %. Seitdem geht es wesentlich langsamer. Ende 2015 lag der Umsatzanteil bei 4,5 %. ebooks stecken in Deutschland in einer Nische fest.

Das Bild ist widersprüchlich. Einerseits steigt der Absatz mit Büchern bei Lesern elektronischer Lesegeräte. Wer eines hat, benutzt es also fleißig. Doch der Preis für die Buchhändler ist ein Preisabschlag im Vergleich zu gedruckten Büchern. Andererseits stehen die Buchhändler unter Druck. Thalia schloss bereits Filialen und Weltbild kam in finanzielle Schwierigkeiten. Tolino erreichte dafür 2015 einen höheren Marktanteil im Vergleich zum Kindle. Für 2016 habe ich noch keine Werte gefunden.

Die Marschrichtung stimmte also, der Weg entpuppte sich aber als beschwerlich. Wieso nun der Ausstieg der Telekom? Interessant ist der Umstand, dass die Telekom ihre Anteile an den japanisch-kanadischen Investor Rakuten verkauft. Die Firma wurde 1997 in Japan gegründet und vertreibt den ebook-Reader Kobo. Das Gerät ist in Deutschland eher ein Nischenprodukt, agiert aber dafür international. Kobo wäre in der Lage, global den Konkurrenzkampf mit Kindle aufzunehmen und bekäme mit der Beteiligung am Tolino ein Standbein im deutschen Markt. Rakuten beschäftigt nach eigenen Angaben in diversen Ländern etwa 10.000 Mitarbeiter.

Wie es aussieht, ist der Einstieg von Rakuten ein wichtiger Baustein im Kampf um höhere Marktanteile. Die 5 % Schallmauer in Deutschland erweist sich bisher als harter Brocken. Ein international agierender Partner könnte helfen, dem Absatz von ebooks neuen Schwung zu geben.

Nach den bisherigen Verlautbarungen soll Tolino als Marke weiterhin bestehen bleiben, ebenso ist kaum zu erwarten, dass sich am Design des Readers viel ändern wird. Sowohl der Kobo als auch der Tolino werden vom taiwanesischen Hersteller Netronix gefertigt. Der deutsche Tolino Hersteller Longshine ist eine Netronix-Tochter. Die Telekom versicherte ebenfalls, dass die Benutzung ihrer Hotspots und der Telekom-Cloud auch nach dem Ausstieg bei Tolino bestehen bleiben sollen.

Wie sind die neuen Geräte Tolino Shine 2HD und Kobo Glo HD ausgestattet? Auch aufgrund des gleichen Herstellers besitzen beide einen 6 Zoll Bildschirm, Wlan und eine 4 GB große MicroSD-Speicherkarte. Ein wichtiger Unterschied ist die Software. Da werkeln beide an unterschiedlichen Technologien. Während beim Tolino im Hintergrund Android läuft, benutzt Kobo ein eigenes System. Dafür kann man mit dem Kobo die eigene ebook-Sammlung mit der Software Calibre synchronisieren. Möglicherweise werden beide Systeme zukünftig das jeweils beste des anderen übernehmen und so zu einem noch besseren ebook-Reader heranwachsen.

Warten wir also ab, was der ebook-Markt in der Zukunft für Überraschungen bereithalten wird. Fällt die 5 % Schallmauer in Deutschland, wird es dem Wachstum von ebooks einen weiteren Schub verleihen. Doch momentan erweist sie sich als harte Grenze. Rakuten könnte mit dem Kobo der richtige Partner sein, um die Schwelle mit neuen Ideen und entsprechender Finanzkraft zu überwinden.

Facebooktwittergoogle_pluspinterestby feather

Bildquelle

  • Ebooks: Adamr freedigitalphotos.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.