Kindle am Limit?

Sind die Wachstumswerte für Ebook-Reader und Amazons Kindle am Limit? Die Entscheidung einer britischen Buchhandelskette spricht eine eindeutige Sprache: Sie nimmt den Kindle aus dem Sortiment.

Waterstones ist eine große britische Buchhandelskette. Sie besitzt 275 Läden und beschäftigt ca. 3500 Mitarbeiter. Waterstones ist ferner am britischen Buchhändler Hatchards und der irischen Kette Hodges Figgis beteiligt. Die Firma bemüht sich, gerade nicht wie jede Handelskette aufzutreten. Nach eigenen Angaben gleicht kaum ein Shop dem anderen, sondern ist – auch hinsichtlich des Angebots – auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmt. Es existiert eine Shoppingkultur, die auch abseits des traditionellen Buchstöberns zum Verweilen einlädt, beispielsweise durch das „Cafe W.“. Waterstones hat dafür Konzessionen mit Starbucks und Costa Coffee abgeschlossen. Man kann also sagen, dass der Händler für seine Kunden eine Wohlfühlkultur geschaffen hat, einen Konsumtempel im klassischen Sinne.

Diese Firma verkauft ab sofort keine Kindle Reader mehr.

Die Entscheidung von Waterstones, den Kindle aus dem Sortiment zu entfernen, kommt mit langer Ansage. Schon im Januar 2015 meldete die Kette einen Anstieg des Verkaufs gedruckter Bücher um 5 %, während die Verkäufe des Kindle nahezu verschwunden seien. Den Kindle gab es bei Waterstones im Angebot seit 2012. Damals beschloss man die Zusammenarbeit mit Amazon, um den Änderungen des Buchmarktes zu folgen. Die Entfernung des Kindle erfolgte nun mit der Begründung, dass die Absätze dieses Produkts im laufenden Jahr „erbärmlich“ gewesen seien. Man brauche den Platz in den Regalen für gedruckte Bücher.

Die Hauptursache dürfte im geringeren Absatz von ebooks im Allgemeinen liegen. Enders Analysis, ein sogenannter think-tank, hat dazu eine Vermutung: Die Anzahl der Leser, die bereit sind, den Sprung vom gedruckten Buch zum ebook zu unternehmen, ist zum Stillstand gekommen. Man kauft keine ebooks aus Prinzip mehr, sondern das Format elektronisches Buch ist begrenzt auf bestimmte Lesegewohnheiten, beispielsweise für Reisen, im Urlaub etc.

Enders Analysis spricht sogar bereits davon, dass der ebook-reader bald zur Kategorie kurzlebiger Verbrauchertechnologien gehören wird. Das mag zum jetzigen Zeitpunkt übertrieben sein. Aber das grenzenlose Wachstum des Marktes ist anscheinend vorbei.

In Großbritannien meldete Nielsen Bookscan, dass der Verkauf gedruckter Bücher in den ersten 36 Wochen des Jahres 2015 um 4,6 % gestiegen sei, also noch vor dem besonders umsatzträchtigen Weihnachtsgeschäft.

In Deutschland verharrt die Zahl der ebook-Leser bei etwa 25 %. Das wichtigste Lesegerät ist der Laptop (41 %), gefolgt vom Smartphone (38 %). Ein Drittel liest mit speziellen ebook-Readern. Die aktuelle Bitkom-Prognose sieht einen Rückgang des Verkaufs von Kindle, Tolino bzw. Kobo, prophezeit also eine ähnliche Entwicklung wie in Britannien. Marktführer in Deutschland ist das offene Tolino-System. Mit ihm kann man beispielsweise in der örtlichen Stadtbücherei elektronische Bücher ausleihen und daheim bequem lesen. Sicherlich hat die Offenheit des Systems zur Marktführerschaft beigetragen. Amazon mit seinem System, das absichtlich nur in der Amazon-Welt funktioniert, ist im Hintertreffen.

 

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Bildquelle

  • Girl with Tablet in a Park: adam r freedigitalphotos.net

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