Rezi: Lisa Gardner „Wer zuerst stirbt, entscheidest du.“

Ich muss zugeben, dass es nur wenige Krimis gibt, die mich begeistern konnten. Die Autorin Lisa Gardner hat es geschafft. Der vorliegende Roman „Wer zuerst stirbt, entscheidest du“, englischer Originaltitel „Love you more“ ist aus der „Detektiv D.D. Warren“- Serie.

Die weibliche Ermittlerin D.D. Warren arbeitet für die Polizei von Boston in der Mordkommission. Ihre persönlichen Probleme sind einerseits ihre Beziehung zu Alex und die Möglichkeit, von ihm schwanger zu sein. Das zieht sich durch den Roman als Backgroundstory und belastet die Ermittlungen.

D.D. Warren wird zu einem Tatort gerufen. Die Polizistin Leonie hat ihren Mann mit drei Brusttreffern erschossen, die Tochter im Alter von sechs Jahren ist verschwunden. Der Tatort im schneebedeckten Garten ist zertrampelt, viele Berufskollegen von Leonie halten sich ohne Grund im Gebäude auf. Der Gewerkschaftsvertreter nimmt Leonie sofort unter seine Fittiche. Am Anfang sieht der Fall klar aus. Das Gesicht der Polizistin zeigt Anzeichen von Misshandlungen, sie hat in Notwehr den brutalen Ehemann erschossen. Doch wo ist die Tochter? Ist sie auch tot, irgendwo verscharrt? Oder entführt?

D.D. Warren merkt schnell, dass nichts so ist, wie es scheint. Der Fall nimmt einige unerwartete Wendungen und entwickelt sich in eine völlig andere Richtung. Der Leser ist immer wieder erstaunt darüber, wie verzwickt doch alles in Wahrheit ist. Die Auflösung am Ende nach 489 Seiten überrascht, ist aber logisch und kommt nicht aus heiterem Himmel.

Nachteilig ist der Wechsel des Erzählstils von auktorial zum Ich-Erzähler. Merkwürdigerweise werden die Erlebnisse von D.D. Warren auktorial abgehandelt und die der verdächtigen Polizistin Leonie in der Ich-Perspektive. Diese seltsame Mischung von Erzählstilen scheint sich im englischen Sprachraum seit Diana Gabaldon eingebürgert zu haben. Begrüßenswert ist es nicht.

Der Ich-Stil ist der schwierigste Stil, da der Leser nicht erfahren kann, was außerhalb der Perspektive von Leonie passiert. Das löste die Autorin durch den auktorialen Stil bei D.D. Warren. Warum nicht gleich den ganzen Roman auktorial schreiben? Die Probleme der Ermittlerin mit ihrer Schwangerschaft und die Auswirkungen auf die sechs Monate alte Beziehung zu Alex kommen gut rüber. Das hätte Lisa Gardner auch bei Leonie geschafft. Der Stilmischmasch ist Unsinn. Man bekommt den Eindruck, dass die Autorin Lisa Gardner alles im Ich-Stil schreiben wollte, dann aber bei D.D. Warren ins auktoriale wechselte, da so massive Probleme umgangen werden. Das ist Schade.

Insgesamt vergebe ich vier von fünf möglichen Punkten für diesen Roman. Der Punkt Abzug ist für den unnötigen Stil. Ansonsten ist es ein spannender Plot, der seinesgleichen sucht.

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