Prolog

Prolog oder nicht Prolog?

Das ist hier die Frage! Ob es edler ist, ihn wegzulassen oder ihn zu behalten? Wer kann es beantworten? Ich persönlich möchte ehrlich sein und meine Meinung kundtun: Ich mag keine Prologe! Es gibt sicher gute Argumente für einen Prolog, nachfolgend stelle ich sie aus Gründen der Ausgewogenheit auch dar. Trotzdem halte ich wenig davon.

Nennen Sie es Vorurteil, Einbildung oder finden Sie sonst irgendeine Bezeichnung für mein Verhalten. Ich stehe dazu und kann nicht anders. Der Hauptgrund für meine Ansicht ist die leidige Erfahrung mit Prologen. Überwiegend sind sie langweilig zu lesen. Zumeist haben Prologe eine unangenehme Tiefe, z.B. folgende:

Früher lebten die Dinosaurier auf der Erde und es war heiß und dampfig. Aber es schlug der große Meteorit ein und tötete alle. Dann folgte bla bla und es entstanden die Affen. Wenig später bla bla, Homo Sapiens bla bla, kämpften mit Schwertern. Der böse Wischiwaschi bla bla, Prinzessin entführt, bla bla und der junge Recke Siegfried machte sich auf, um sie aus den Klauen des Bösen zu befreien. Er war nämlich der Sohn des Wahnfried, der schon früher bla bla. Siegfried wollte seinem Vater im Glauben an Gerechtigkeit und in Tapferkeit nicht nachstehen. So setzte er sich an einem heißen Sommertag auf sein Pferd …

Wer danach noch nicht eingeschlafen ist, bekommt einen Preis verliehen. Ich weiß, dass das obige Beispiel stark überzeichnet ist, aber es gibt tatsächlich Prologe, die buchstäblich bei Adam und Eva anfangen.

Ein Prolog ist ein Bereich eines Romans, der vor dem eigentlichen Beginn der Handlung steht. Der Wortursprung liegt im griechischen pro logos (die Vorrede). Gut gemacht, führt dieses Vorwort in die Handlung ein, zeigt dem Leser auf, was vor längerer Zeit passierte oder auch erst kürzlich, aber für das Verständnis der Handlung wichtig ist. Prologe können das Thema des Romans etablieren, die Stimmung setzen.

Diese Ziele lassen sich zumeist auch anderweitig erreichen, beispielsweise durch (sparsam verwendete) Rückblenden, Dialoge zwischen Romanfiguren oder deren Gedanken.

Prologe sind oft langweilig und werden vom Leser ohne Liebe (wenn überhaupt) gelesen. Der Hauptgrund liegt darin, dass Leser wissen wollen, was jetzt passiert. Ereignisse, Jahre oder Jahrzehnte vor der eigentlichen Handlung, werden als weniger wichtig erachtet.

Bitte ebenfalls im Hinterkopf behalten: Infodump, verpackt in einen Prolog, bleibt trotzdem Infodump! Sie können einem alten, rostigen Auto so viele rosa Schleifen umbinden, wie Sie wollen. Es bleibt ein altes, rostiges Auto! Servieren Sie dem Leser keinen Schrott am Anfang, sondern Substanz!

Bevor Sie einen Prolog schreiben, stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Falls der Leser den Prolog nicht liest: Ist er trotzdem in der Lage, die Handlung zu verstehen und zu genießen?
  • Können die Informationen aus dem Prolog in die Handlung durch Dialoge, Aktionen der Romanfiguren oder deren Gedanken eingewebt werden?
  • Sind die Informationen aus dem Prolog so wichtig, dass sie der Leser dauernd im Hinterkopf behalten muss um die ganzen Enthüllungen im Verlauf der Story zu verstehen? Wird er dadurch vielleicht entmutigt oder davon abgelenkt, tief in die Geschehnisse einzutauchen?
  • Ist der Prolog langatmig und zu umständlich für eine packende Eröffnung der Story?
  • Enthält der Prolog viel zu viele Informationen, liest er sich wie ein Lexikoneintrag?
  • Würden Sie selbstkritisch (bitte ehrlich sein!) den Prolog als Infodump bezeichnen? Sind Sie ganz sicher, dass es keiner ist?

Nun, wie versprochen, die positiven Seiten eines Prologs:

  • Führt Dinge in die Handlung ein, die durch Dialoge oder Gedanken, Aktionen zu umständlich zu erklären sind (Gefahr des Infodumps im Roman).
  • Kann die Motive der Romanfiguren offenbaren
  • Kann sofort Spannung oder offene Fragen beim Leser erzeugen
  • Kann das Wesen der Handlung mit wenigen Worten erklären
  • Führt in die Stimmung des Romans ein, setzt den Ton

Sind Prologe ein Mittel, um einen Roman zu bereichern? Durchaus. Es kommt auf den Stil an. Es erinnert mich an einen alten Werbespruch über Beton: Es kommt darauf an, was man daraus macht. Bisher sah ich nur hässliche, graue Klötze. Falls Sie einen wunderbaren Prolog erschaffen haben, lassen Sie mich bitte daran teilhaben.

Mein Tipp für Prologe: Investieren Sie mindestens das Dreifache des Herzblutes, das Sie Ihrem Roman gönnten. Der Prolog ist Ihr Aushängeschild, Ihre Visitenkarte. Es gilt der alte Rat:

„You never have a second chance to leave a first impression“

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Bildquelle

  • Prolog: Denis Junker Fotolia.de

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